Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)

32. Die Verankerung von BBS in der Unternehmenskultur

Um die Verankerung von BBS in der Betriebskultur zu ermöglichen, ist nach Boyce und Roman (2003) v.a. eine intensive Schulung der verhaltensanalytischen Grundlagen erforderlich, die es ermöglicht, dass über diese Konzepte gesprochen wird und sie weiterverbreitet und genutzt werden, z.B. auch in anderen Bereichen (z.B. im Führungsverhalten). Hinzukommen muss die soziale Validität von BBS. Dies beinhaltet v.a. die Akzeptanz von BBS. Dazu müssen die Mitarbeiter den Prozess als fair, angemessen,, praktisch, konsistent und mit möglichst wenig unerwünschten Nebenwirkungen verbunden erleben. Ein Wechsel der Organisationskultur bringt immer eine Änderung der ursprünglichen Verhältnisse von Verhalten und Verstärkung mit sich. Das heißt, Verhalten, das ursprünglich zu Verstärkung führt, führt danach zur Extinktion und Verhalten, dass früher leicht zu Verstärkung führte, verlangt nun einen größeren Aufwand. Mitarbeiter können diese Änderungen als bedrohlich einschätzen, wenn sie nicht einen gleichzeitigen Zuwachs der Verstärkung in anderen Bereichen erleben. Die Mitarbeiter müssen folgende Frage für sich positiv beantworten können: Lohnen die Mühen, die die Einführung des Prozesses mit sich bringt, den Aufwand?

Wie kann man erkennen, ob die Mitarbeiter BBS akzeptieren? Zum einen am verbalen Verhalten: Wenn die Mitarbeiter, die davon betroffen sind, positiv über BBS reden. Zum anderen am offenen nonverbalem Verhalten, an der aktiven Beteiligung an BBS.

Einige Faktoren erleichtern die Verankerung von BBS im Betrieb: Wenn Ressourcen für die Weiterverbreitung vorhanden sind, wenn die Maßnahme auf die Verhältnisse im Betrieb angepasst wurde, wenn die Schlüsselpersonen trainiert sind und beharrlich und enthusiastisch mitmachen, wenn die BBS-Maßnahme auch nötig war und wenn die Daten zeigen, dass BBS die Zielverhaltensweisen positiv beeinflusst.

Von besonderer Bedeutung ist die Einbeziehung der Mitarbeiter in die Entwicklung von BBS. Die Mitarbeiter sollten an der Entwicklung der Materialien und Prozesse aktiv teilnehmen. Sie werden wahrscheinlicher Strategien benutzen, die sie selbst entwickelt haben und sei es nur, um die Übereinstimmung von Reden und Handeln aufrechtzuerhalten.

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Oder wählen Sie ein Kapitel:

  1. Was ist BBS?
  2. Die Ausgangslage
  3. Grundlagen von BBS
  4. Einige Nachteile traditioneller Ansätze zur Arbeitssicherheit
  5. Ergebnis- und prozessgesteuerte Unternehmensführung
  6. Ein Programm zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit einführen
  7. Phasen bei der Einführung von BBS
  8. Das Sicherheitsassessment
  9. Einführungsveranstaltung und Schulung
  10. Die Planung
  11. Werte entwickeln
  12. Die Planung der Teilprozesse
  13. Beobachtungen planen
  14. Analysiere frühere Unfälle
  15. Entwickle eine Liste der bedeutsamen arbeitssicheren Verhaltensweisen
  16. Entwerfe und überarbeite die Punktekarte
  17. Entwickle eine Beobachtungsprozedur
  18. Das Feedback
  19. Mache einen Probedurchlauf
  20. Auszeichnungen und Belohnungen
  21. Das Beobachten
  22. Die Einführung von BBS
  23. Die Steuerungsgruppe
  24. Die Rolle des Managements
  25. Besonderheiten bezüglich schwerer Unfälle
  26. Selbstbeobachtungen
  27. Besonderheiten der Steuerungsgruppe
  28. Verhalten erkennen
  29. Verbesserungsprojekte
  30. Anerkennungen und Feiern
  31. Weitere, mögliche Komponenten von BBS
  32. Die Verankerung von BBS in der Unternehmenskultur
  33. Fallbeispiele
  34. BBS-Systeme in anderen Organisationen: Fallbeispiel Schulbus
  35. BBS und der Rückgang der Arbeitsunfälle
  36. Das Beobachten hilft auch dem Beobachter
  37. Worauf man sonst noch achten muss
  38. Literatur

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