Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)
BBS – Behavior Based Safety – versucht, die unsicheren Handlungen zu reduzieren, indem der Anteil des sicheren Arbeitsverhaltens erhöht wird. Dieser Ansatz begründet sich u.a. aus der Erkenntnis, dass sich Verhalten besser durch Verstärkung als durch Bestrafung formen lässt.
Eine große Gefahr für die Arbeitssicherheit ist die Selbstzufriedenheit. Normalerweise ist es die Angst vor Unfällen, die den Arbeiter dazu bringt, sich sicher zu verhalten. Wenn die Gefahr, verletzt zu werden, hoch ist, ist diese Selbstzufriedenheit kein Problem. Praktisch kein Schweißer verzichtet auf die Schutzbrille bzw. Schutzmaske, denn ohne diese trägt er mit hoher Wahrscheinlichkeit Verletzungen davon. Die Sicherheitspyramide weist uns aber darauf hin, dass normalerweise viele unsichere Handlungen passieren können, ehe ein Unfall passiert. Jedes mal, wenn ein Arbeiter eine Sicherheitsprozedur umgeht, um so bequemer zu arbeiten und es passiert ihm nichts, verliert er etwas von der Angst, die ihn normalerweise dazu bringt, sich sicher zu verhalten. In der Psychotherapie wird dieser Vorgang als systematische Desensibilisierung bezeichnet: Eine Person wird wiederholt mit einer furchterzeugenden Situation konfrontiert, ohne negative Konsequenzen zu erleiden und verliert so nach und nach die Angst davor.
So bleibt auch die Anzahl der Verletzungen im Straßenverkehr trotz der vielen Sicherheitsmerkmale neuer Autos mehr oder minder gleich: Die Autofahrer verhalten sich riskanter, weil das riskante Verhalten, das früher mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Unfall mit Verletzungsfolge geführt hätte, nun meistens nur glimpfliche Folgen hat. Ein Sicherheitsexperte soll darum einmal geäußert haben, dass man, um sicheres Fahrverhalten zu erzeugen, auf das Lenkrad am Besten eine Degenklinge montieren sollte, von der der Fahrer bei einem Unfall sofort aufgespießt werden würde.
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