Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)

3. Grundlagen von BBS

BBS Behavior Based Safety versucht, die unsicheren Handlungen zu reduzieren, indem der Anteil des sicheren Arbeitsverhaltens erhöht wird. Dieser Ansatz begründet sich u.a. aus der Erkenntnis, dass sich Verhalten besser durch Verstärkung als durch Bestrafung formen lässt.

Eine große Gefahr für die Arbeitssicherheit ist die Selbstzufriedenheit. Normalerweise ist es die Angst vor Unfällen, die den Arbeiter dazu bringt, sich sicher zu verhalten. Wenn die Gefahr, verletzt zu werden, hoch ist, ist diese Selbstzufriedenheit kein Problem. Praktisch kein Schweißer verzichtet auf die Schutzbrille bzw. Schutzmaske, denn ohne diese trägt er mit hoher Wahrscheinlichkeit Verletzungen davon. Die Sicherheitspyramide weist uns aber darauf hin, dass normalerweise viele unsichere Handlungen passieren können, ehe ein Unfall passiert. Jedes mal, wenn ein Arbeiter eine Sicherheitsprozedur umgeht, um so bequemer zu arbeiten und es passiert ihm nichts, verliert er etwas von der Angst, die ihn normalerweise dazu bringt, sich sicher zu verhalten. In der Psychotherapie wird dieser Vorgang als systematische Desensibilisierung bezeichnet: Eine Person wird wiederholt mit einer furchterzeugenden Situation konfrontiert, ohne negative Konsequenzen zu erleiden und verliert so nach und nach die Angst davor.

So bleibt auch die Anzahl der Verletzungen im Straßenverkehr trotz der vielen Sicherheitsmerkmale neuer Autos mehr oder minder gleich: Die Autofahrer verhalten sich riskanter, weil das riskante Verhalten, das früher mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Unfall mit Verletzungsfolge geführt hätte, nun meistens nur glimpfliche Folgen hat. Ein Sicherheitsexperte soll darum einmal geäußert haben, dass man, um sicheres Fahrverhalten zu erzeugen, auf das Lenkrad am Besten eine Degenklinge montieren sollte, von der der Fahrer bei einem Unfall sofort aufgespießt werden würde.

weiter

Oder wählen Sie ein Kapitel:

  1. Was ist BBS?
  2. Die Ausgangslage
  3. Grundlagen von BBS
  4. Einige Nachteile traditioneller Ansätze zur Arbeitssicherheit
  5. Ergebnis- und prozessgesteuerte Unternehmensführung
  6. Ein Programm zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit einführen
  7. Phasen bei der Einführung von BBS
  8. Das Sicherheitsassessment
  9. Einführungsveranstaltung und Schulung
  10. Die Planung
  11. Werte entwickeln
  12. Die Planung der Teilprozesse
  13. Beobachtungen planen
  14. Analysiere frühere Unfälle
  15. Entwickle eine Liste der bedeutsamen arbeitssicheren Verhaltensweisen
  16. Entwerfe und überarbeite die Punktekarte
  17. Entwickle eine Beobachtungsprozedur
  18. Das Feedback
  19. Mache einen Probedurchlauf
  20. Auszeichnungen und Belohnungen
  21. Das Beobachten
  22. Die Einführung von BBS
  23. Die Steuerungsgruppe
  24. Die Rolle des Managements
  25. Besonderheiten bezüglich schwerer Unfälle
  26. Selbstbeobachtungen
  27. Besonderheiten der Steuerungsgruppe
  28. Verhalten erkennen
  29. Verbesserungsprojekte
  30. Anerkennungen und Feiern
  31. Weitere, mögliche Komponenten von BBS
  32. Die Verankerung von BBS in der Unternehmenskultur
  33. Fallbeispiele
  34. BBS-Systeme in anderen Organisationen: Fallbeispiel Schulbus
  35. BBS und der Rückgang der Arbeitsunfälle
  36. Das Beobachten hilft auch dem Beobachter
  37. Worauf man sonst noch achten muss
  38. Literatur

zurück zur Hauptseite