Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)

21. Das Beobachten

Vorarbeiter sollten die Kollegen nicht unter Druck setzen, an Beobachtungen teil zu nehmen. Das Management und die Steuerungsgruppe sollten das regelmäßig überprüfen und sich ggf. Gegenmaßnahmen überlegen (z.B. das Kriterium „Teilnahme an Beobachtungen“ bei der Vergabe für Preise an Arbeitsgruppen geringer zu gewichten).

Idealerweise sollten alle Mitarbeiter eines Betriebes eine Beobachterschulung durchlaufen, auch wenn das spätere Beobachten freiwillig ist. Mann erreicht so, dass alle wissen, worum es bei BBS geht. Für die Schulung der ersten Beobachter muss man mindestens einen ganzen Arbeitstag ansetzen. In den ersten Stunden geht es dabei um die Besonderheiten des verhaltensorientierten Ansatzes, der Rest des Tages ist dem Training gewidmet. Die künftigen Beobachter sollen lernen, beobachtbares Verhalten zu erkennen (pinpoint behavior), Beobachtungen durchzuführen und ihre Beobachtungen mit dem Kollegen zu besprechen. Am Besten geht das mit Videoaufnahmen von konkretem Arbeitsverhalten. Die Teilnehmer sollen das Verhalten beobachten und sich dann gegenseitig in Rollenspielen Rückmeldung über das Verhalten geben.

Wenn es nicht möglich ist, alle Mitarbeiter in relativ kurzer Zeit als Beobachter zu schulen, sollte man eine oder mehrere Einführungsveranstaltungen durchführen. Diese sollte mit relativ wenigen Teilnehmer (10 bis 12) stattfinden und der Präsentation vor dem Management ähneln.

Auch die Mitglieder der Steuerungsgruppe sollten in dieser Funktion geschult werden, v.a. wenn sie nicht an der Planungsgruppe beteiligt waren. Die Mitglieder der Steuerungsgruppe müssen lernen, wie sie den BBS-Prozess einführen und aufrechterhalten. Die weitere Schulung neuer Beobachter kann auch über individuelles Training durch einen erfahrenen Beobachter geschehen. Der „ältere“ führt zunächst eine Beobachtung in Begleitung des Neulings durch. Anschließend führt der neue Beobachter eine Beobachtung in Begleitung des erfahrenen Beobachters durch.

Das Ergebnis der Planungsgruppe muss zuletzt vom Management „abgesegnet“ werden. Bei dieser Präsentation ist es wichtig, das Management auf seine aktive Rolle im BBS-Prozess vorzubereiten. Nur wenn das Management hinter dem Prozess und allen seinen Bestandteilen steht, kann er erfolgreich sein.

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Oder wählen Sie ein Kapitel:

  1. Was ist BBS?
  2. Die Ausgangslage
  3. Grundlagen von BBS
  4. Einige Nachteile traditioneller Ansätze zur Arbeitssicherheit
  5. Ergebnis- und prozessgesteuerte Unternehmensführung
  6. Ein Programm zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit einführen
  7. Phasen bei der Einführung von BBS
  8. Das Sicherheitsassessment
  9. Einführungsveranstaltung und Schulung
  10. Die Planung
  11. Werte entwickeln
  12. Die Planung der Teilprozesse
  13. Beobachtungen planen
  14. Analysiere frühere Unfälle
  15. Entwickle eine Liste der bedeutsamen arbeitssicheren Verhaltensweisen
  16. Entwerfe und überarbeite die Punktekarte
  17. Entwickle eine Beobachtungsprozedur
  18. Das Feedback
  19. Mache einen Probedurchlauf
  20. Auszeichnungen und Belohnungen
  21. Das Beobachten
  22. Die Einführung von BBS
  23. Die Steuerungsgruppe
  24. Die Rolle des Managements
  25. Besonderheiten bezüglich schwerer Unfälle
  26. Selbstbeobachtungen
  27. Besonderheiten der Steuerungsgruppe
  28. Verhalten erkennen
  29. Verbesserungsprojekte
  30. Anerkennungen und Feiern
  31. Weitere, mögliche Komponenten von BBS
  32. Die Verankerung von BBS in der Unternehmenskultur
  33. Fallbeispiele
  34. BBS-Systeme in anderen Organisationen: Fallbeispiel Schulbus
  35. BBS und der Rückgang der Arbeitsunfälle
  36. Das Beobachten hilft auch dem Beobachter
  37. Worauf man sonst noch achten muss
  38. Literatur

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