Verhaltensorientierte Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)

34. BBS-Systeme in anderen Organisationen: Fallbeispiel Schulbus

Das regelwidrige Verhalten von Schülern im Schulbus kann zu einer Gefährdung für die Schüler und andere Verkehrsteilnehmer führen, insbesondere dann, wenn der Busfahrer durch die Kinder vom Fahren abgelenkt wird. Der traditionelle Ansatz, um dieses Problem in den Griff zu bekommen, sieht v.a. Strafen für regelwidriges Verhalten vor. Im seltensten Fall wird bei der Vergabe dieser Konsequenzen konsequent vorgegangen, so dass man mit diesen Mittel das Problem meisten nicht in den Griff bekommt.

Putnam et al. (2003) stellen ein Konzept vor, bei dem zunächst angemessen Verhaltensweisen der Schüler definiert wurden, die Busfahrer im Beobachten der Schüleraktivitäten während des Fahrens trainiert wurden und ein Anreizsystem eingeführt wurde, um die Schüler zu angemessenem Verhalten zu motivieren. Zudem gab es ein Unterstützungssystem, dass die Schulverwaltung einbezog.

Die Autoren benutzen ein ABAB-Design. In der Ausgangsphase wurdn lediglich die abhängigen Maße beobachtet: die Zahl der aufgrund von Schülerverhalten ausgesprochenen Verwarnungen und Busverweise. In der ersten Interventionsphase wurde eine Liste von angemessenen (sicheren) Bus-Verhaltensweisen erstellt, den Kindern im Unterricht erläutert und dieses Wissen geprüft. Zudem erarbeitete man das angemessene Verhalten in Rollenspielen. Zudem wurden die Busfahrer darin geschult, die Schüler während der Fahrt bezüglich dieser Verhaltensweisen zu beobachten und unmittelbares positives Feedback zu geben. Schüler, die das richtige Verhalten zeigte, erhielten sog. CBG-Karten (CBG steht für „Caught beeing good“, d.h. beim Bravsein erwischt worden). Diese Karten wurden jeden Tag eingesammelt und nahmen an einer wöchentlichen Schullotterie teil, bei der die Schüler kleine Preise und die Erlaubnis zu bestimmten Aktivitäten gewinnen konnten (je mehr CBG-Karten ein Schüler hatte, desto größer waren seine Aussichten auf einen Gewinn. Jede Woche wurde auch ein „Bus der Woche“ bestimmt, dessen Mitfahrer die wenigsten Verwarnungen erhalten hatten. Die gesammelten Daten wurden ausgewertet und den Fahrern zurückgemeldet.

Diese Intervention erwies sich als erfolgreich, die Zahl der Verwarnungen ging von ein bis sechs Verwarnungen je Bus je Tag auf ein bis zwei (mit sinkender Tendenz) zurück. In einer Wiederholung der Ausgangsbedingung (ohne Beobachtungs- und Anreizsystem) stieg diese Zahl wieder auf 1,5 bis 2,5, um in der endlichen Interventionsphase und in der Follow-Up-Untersuchung wieder auf 0 bis 1,5 zu sinken. Nach der Einschätzung der Autoren waren die genaue Definition des angemessenen Schülerverhaltens, das Anreizsystem und die Unterweisung der Busfahrer in systematischer positiver Verstärkung die wirksamsten Komponenten.

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Oder wählen Sie ein Kapitel:

  1. Was ist BBS?
  2. Die Ausgangslage
  3. Grundlagen von BBS
  4. Einige Nachteile traditioneller Ansätze zur Arbeitssicherheit
  5. Ergebnis- und prozessgesteuerte Unternehmensführung
  6. Ein Programm zur verhaltensorientierten Arbeitssicherheit einführen
  7. Phasen bei der Einführung von BBS
  8. Das Sicherheitsassessment
  9. Einführungsveranstaltung und Schulung
  10. Die Planung
  11. Werte entwickeln
  12. Die Planung der Teilprozesse
  13. Beobachtungen planen
  14. Analysiere frühere Unfälle
  15. Entwickle eine Liste der bedeutsamen arbeitssicheren Verhaltensweisen
  16. Entwerfe und überarbeite die Punktekarte
  17. Entwickle eine Beobachtungsprozedur
  18. Das Feedback
  19. Mache einen Probedurchlauf
  20. Auszeichnungen und Belohnungen
  21. Das Beobachten
  22. Die Einführung von BBS
  23. Die Steuerungsgruppe
  24. Die Rolle des Managements
  25. Besonderheiten bezüglich schwerer Unfälle
  26. Selbstbeobachtungen
  27. Besonderheiten der Steuerungsgruppe
  28. Verhalten erkennen
  29. Verbesserungsprojekte
  30. Anerkennungen und Feiern
  31. Weitere, mögliche Komponenten von BBS
  32. Die Verankerung von BBS in der Unternehmenskultur
  33. Fallbeispiele
  34. BBS-Systeme in anderen Organisationen: Fallbeispiel Schulbus
  35. BBS und der Rückgang der Arbeitsunfälle
  36. Das Beobachten hilft auch dem Beobachter
  37. Worauf man sonst noch achten muss
  38. Literatur

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