Einsatzfelder von OBM: Herausfinden, was ein Verstärker ist

Die Identifizierung von Verstärkern geschieht häufig über Fragebögen. Der Nutzen von solchen Fragebögen muss im klinischen Bereich (bei der Befragung von Patienten) in Zweifel gezogen werden. Die Trefferquote (also die übereinstimmung von tatsächlichen und im Fragebogen herausgefundenen Verstärkern) beträgt hier nur ca. 56% - 57%. Für den Bereich von Unternehmen und anderen Organisationen liegen noch keine Daten vor.

Rost, Wilder und Therrien (2005) untersuchten mit drei Versuchspersonen die Akkuratheit der Fragebogenmethode und der Präferenzmethode. Zunächst sollten die drei Teilnehmerinnen (Sekretärinnen an der Universität) auf einer fünfstufigen Likertskala bewerten, wie viel Arbeit sie für einen bestimmten Verstärker investieren würden. In einer zweiten Phase fand die Präferenzmethode Anwendung. Die Teilnehmerinnen mussten sich jeweils für einen von zwei Verstärkern entscheiden („Würden Sie lieber 10 Minuten eher von der Arbeit nach Hause gehen oder hätten Sie lieber einen Kinogutschein?“). Anschließend mussten die Teilnehmerinnen eine Aufgabe bearbeiten. Zunächst sollten sie ohne einen Verstärker zu erhalten Blätter ablegen (um die Basisrate des Verhaltens zu erfassen). Anschließend wurde in sechs Durchgängen für das Ablegen von Blättern ein Coupon vergeben, der gegen einen der zuvor angesprochenen Verstärker eingetauscht erden konnte. Auf diese Weise wurde die tatsächliche Effektivität der Verstärker erfasst. Dabei zeigte sich, dass die Vorhersage (welcher Verstärker vermutlich wirksam ist) durch die Fragebogenmethode präziser war (hier betrug die „Trefferquote“ 78%) als bei der Präferenzmethode (56%). Die Autoren vermuten, dass die erwachsenen, normalintelligenten Versuchspersonen in ihrem Experiment selbst gut einschätzen konnte, welcher Verstärker bei ihnen wirksam sein könnte, so dass die Fragebogen funktionierten. Für klinische Populationen gilt dies nicht in dem Umfang.

Zu Bedenken ist allerdings, dass die Untersuchung von Rost et al (2005) einige methodische Schwächen aufweist, so dass diese nur als eine Pilotstudie betrachtet werden kann. Eine größere Studie sei in Planung.

Literatur

Rost, K.; Wilder, D.A. & Therrien, K. (2005). Reinforcer identification in Organizational Behavior Management. OBM Network News, 19 (1), 7 – 8.

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zuletzt verändert am 08.05.2005